Als Pelz in Europa noch weiter verbreitet war als heute, gab es auch mehr Farmen auf denen die Pelztiere gezüchtet wurden. Der Fakt, dass dort vom Aussterben bedrohte, heimische Pelztiere zusammen mit Arten aus anderen Ländern gezüchtet wurden, verweist schon auf gewisse Risiken.

Denn wenn man fremde Arten in ein Ökosystem bringt, wo sie eigentlich nichts verloren haben, können sie da schonmal große Schäden anrichten. Durch Pelzfarmen aus welchen Tiere flüchteten oder ausgesetzt wurden, haben sich in Deutschland eine ganze Breite an Refugees aus dem Tierreich angesiedelt. Unter anderem der Waschbär, die Bisamratte, der Marderhund, der Nerz, das Nutria und ein paar andere. Solche “eingeschleppten Arten” werden auch Neozoen (Singular Neozoon) genannt.

Da sie hier ungefähr ähnliche klimatische und ökologische Bedingungen vorfinden wie in ihrer Heimat, können sie auch bei uns ohne jegliche Probleme überleben. Alles schön und gut und man will ja auch den Flüchtlingen einer Pelzfarm nicht zu nahe treten, aber leider haben Neozoen im Tierreich die üble Eigenschaft, heimische Arten zu verdrängen, wenn sie die gleiche ökologische Nische besetzen. Ein paar Arten können ohne jegliche Probleme koexistieren, doch bei so manchem geht das nicht wirklich gut, besonders, wenn die heimische Art von vornherein schon bedroht war. So unter anderem beim Nerz, der durch seinen amerikanischen Vetter verdrängt wird, seit dieser in den 1950ern aus Farmen freigelassen wurde. Als zudem noch der Lebensraum zerstört wurde und die Jagd auch nicht gerade dazu beitrug, den Druck von der Art zu nehmen, ist der europäische Nerz heute stark bedroht. Der amerikanische Nerz nimmt nach und nach seinen Platz ein, da dieser robuster und anpassungsfähiger ist. Auch ein anderes Neozoon, der Waschbär, wütet unter einer heimischen Art, den letzten Vertretern der Sumpfschildkröte, die erst durch Lebensraummangel bedroht wurde und nun vom Waschbär gefressen wird.

Verdrängung und Verbreitung sind ein natürlicher Prozess, jedoch nur so lange, bis der Mensch in diesen eingreift.