Warum ich es hasse im Winter Single zu sein.

Im Sommer war doch noch alles so einfach: Open Air Partys, lange Sommernächte im Park. Mit Sonnenbrille und einem kurzen Shirts gemütlich einen Cocktail an der Spree schlürfen. Heiße Sommerflirts, nette Bekanntschaften und diese Leichtigkeit im Bauch. Ja, im Sommer war alles so viel leichter.

Und kaum wurden die Tage wieder kürzer und kälter, da höre ich dieses Lied von Wham! im Radio:

„Last Christmas, I gave you my heart
But the very next day you gave it away
This year, to save me from tears
I’ll give it to someone special…“

(an dieser Stelle möchte ich mich jetzt schon einmal für den Ohrwurm entschuldigen!)

Auf einen Schlag wurde mir wieder bewusste, dass diese romantisch verliebte Jahreszeit unmittelbar vor der Tür steht. Und vor allem wurde mir wieder einmal bewusste, wie „single“ ich eigentlich bin. In letzter Zeit fiel in meinem Freundeskreis immer wieder dieser nette Begriff: „Winterfreund“. Doch was ist das eigentlich, dieser Winterfreund? Ich verstehe darunter eine Art Zweckbekanntschaft. Eine Person, mit der du deine einsamen Sonntage verbringst, Händchen haltend über den Weihnachtsmarkt schlenderst, Glühwein schlürfst, tiefgründige Gespräche führst, einen Netflix Account teilst und guten Sex hast. Eigentlich hört sich diese Zweckbeziehung doch total entspannt an: keine Verpflichtungen, kein Stress. Doch genau eines ist sie nicht, entspannt. Denn umso mehr Zeit wir mit einer Person verbringen, umso komplizierter wird es. Umso mehr ich gerade über diesen Winterfreund nachdenken, umso mehr bekomme ich den Eindruck, dass meine letzten Bekanntschaften alle in die Kategorie Winterfreund gehören.

Momentan lese ich eifrig in dem Buch „Mögest du glücklich sein“ – und lerne wertvolle Tipps über mich, das Leben und die Liebe zu mir selbst. Diese nehme ich auch dankend an, abends allein im Bett, solange, bis der graue Alltag mich wieder hat. Es ist immer leicht gesagt, die Woche mit positiver Energie, neuen Möglichkeiten und Herausforderungen zu starten. In der Realität sieht es mit der Umsetzung leider nicht ganz so einfach aus.

Lerne dich selbst zu lieben, damit dich jemand anders lieben kann.“ – Gar nicht so easy, wenn du Montag morgens noch immer mit Kopfschmerzen von der letzten Party aufwachst, dich ein Pickel von deiner Stirn anlächelt und du mal wieder verschlafen hast. Wenn du dann noch beschließt, vor der Arbeit deinen Wocheneinkauf im Lidl zu erledigen und zwischen gestressten Hausmüttern und gelangweilten Omis fast erdrückt wirst. Ja, dann hast du es geschafft! Guten Morgen, Montag.

Als ich eben bei Google den Begriff „Winter Single“ eingab, um ein bisschen von fremden Texten zu klauen, ahh zu inspirieren, wurde mir als erstes eine Bettdecke für Singles angezeigt. WTF? Der zweite Vorschlag war eine „Skireise für Singles: Im Singleurlaub in den Bergen neue Freunde..“ Ich scrolle verzweifelt weiter..

Ich möchte ja nicht sagen, dass ich Pärchen im Allgemeinen hasse. Es ist nur so, dass sie mich im Winter besonders nerven. Irgendwie gibt es in meinem Freundeskreis genau zwei Gruppen. Diese Pärchen, die ständig nur über ihren Pärchenscheiß quatschen. Und die Singles, die ständig nur über ihr einsames Single-Leben jammern. Zu Letzterem gehöre übrigens ich. Die gute Nachricht ist, zu dieser Kategorie gehören auch so ziemlich 95% meiner Freundinnen. Also werde ich auch dieses Jahr wieder romantisch mit meiner besten Freundin auf dem Weihnachtsmarkt sitzen, Glühwein trinken und philosophieren, dass 2018 bestimmt alles anders ist…

In diesem Sinne, fröhliche Oh Single Bells!