Fitting: Ich bin ziemlich aufgeregt. Während die anderen Models darüber erstaunt sind, dass ich aus Deutschland komme, bin ich innerlich ziemlich unruhig. Deutsche Models sind hier sehr selten. Aha.Passen mir die engen Klamotten überhaupt? Die Models hier arbeiten alle hauptberuflich als Model, das mache ich seit Jahren nicht mehr. Allerdings sind einige älter als ich. Was mich wiederum verwundert. Scheinbar ist der Jugendwahn vorbei. Finde ich gut. Ein Model ist über 30 und läuft überall mit. Sie hat hier das Sagen und unterhält mit ihrer „Erfahrung“ alle. Es ist ihre 5. Fashion Week Show. Sie weiß, wo’s lang geht. Sie sagt mir, dass ich in Dubai durchstarten soll. Aber eigentlich habe ich andere Ziele..

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Der Designer scheint angespannt. Das Einzige was er sagt ist,  dass meine Hüfte scheinbar schmal genug für seine Sachen ist und dass ich „amazing“ bin. Aber bedeutet das auch, dass mir die Sachen passen? Ich bin unsicher. Ich war seit Monaten nicht mehr auf dem Laufsteg, das letzte Mal für Thomas Rath Anfang 2016. Sport kommt in letzter Zeit auch zu kurz bei mir.. Und jetzt direkt auf der New York Fashion Week laufen?! Hoffentlich mute ich mir da nicht zu viel zu. Denn eigentlich bezeichne ich mich ja gar nicht mehr nur als „Model“, eher als Künstlerin, denn schließlich mache ich ja seit Jahren Musik. Aber jetzt bin ich hier und muss professionell sein. Eine Chinesin erklärt mir, dass sie aus LA kommt und seit Jahren hauptberuflich als Model arbeitet. Sie ist sehr groß. Echt selten bei Chinesen. Eine der Mädels, die mich adden will, nervt mich mit irgendwelchen Instagram Geschichten. Also ich poste da immer nur, um die Filter auf meine Bilder zu legen. Ich bin scheinbar nicht auf dem neuesten Stand 😉 !

Hier sind sehr viele Visagistinnen und Stylistinnen, alle etwas übergewichtig und zickig. Egal, ich komme auch mit Zicken klar, solange mein Make Up am Ende nicht so stark wie bei Ihnen selber ist! „Left“, „right“, „close“, „open“ sind die Anweisungen meiner Visagistin. Kein unnötiges Gespräch. Bei der Fashion Week New York ist das so.

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Mich nervt, dass mein Wifi nicht funktioniert. Ich würde gerne Bilder auf Facebook posten, das muss alles später passieren. Ich hatte mir einen extra Tages-Tarif dazu gebucht, der ist nach 2 mal online gehen bereits verbraucht.

Ich werde gestylt und bekomme gefühlte 10 Tonnen Haarspray in’s Haar für einen strengen Zopf. Laufstegprobe: 20 Topmodels müssen laufen. Der Choreograph trainiert auch die Victoria’s Secret Girls, erzählt er, ich werde hellhörig. Mein früheres Lebensziel. Bei VS laufen. Naja, ein eher utopisches Ziel! Jede läuft einzeln den langen Laufsteg entlang, Jede wird separat vom Designer begleitet und verbessert, der Choreograph sagt gar nichts. Eine fliegt direkt raus, „sie kann nicht laufen“, sagt der Designer. Sie muss gehen. Bilder sind strengstens verboten, brüllt der Partner des Designers in den Backstagebereich. Ok, ich hab eh kein Internet. Aber Bilder machen alle. Ich treffe eine Russin, sie ist extra aus Russland nach New York gezogen für’s Modeln, vor 4 Jahren. Sie will mir ihr Alter nicht verraten, ich schätze sie auf Ende 20 – wie ich. Verrückt, dass man hier wirklich auswandert für’s Modeln, für immer. Ich erfahre, dass man bei der New York Fashion Week maximal ein paar hundert Doller pro Show bekommt. Selbst bei der größten Show ist es nicht mehr. Das kenne ich aus Berlin. Ich bin irgendwie enttäuscht. Die Welt besteht aus mehr aus Schein als Sein. New York ist da keine Ausnahme!! Egal, mehr als New York geht für ein Model nicht (außer natürlich Victoria’s Secret). Und ich hab’s geschafft. Die Show verläuft nach Plan und bis auf ein klitzekleines Wegrutschen, was kaum einer merkt, geht alles gut. Als ich mich nach der Show vom Designer verabschiede, bedankt dieser sich bei mir und fragt nach, ob er mich im Herbst wieder für seine New York Fashion Week Show buchen kann.

Mal sehen, da wollte ich ja eigentlich schon auf Tournee gehen mit meiner E-Gitarre.

 

Ich bin happy, dass ich es geschafft habe, auch wenn es echt nicht einfach war!