Viele Menschen beschäftigen ihren Hund mit einem Ball, ohne sich vorher Gedanken darüber zu machen, was dieses Spiel für den Hund bedeutet. Warum sollte man sich darüber Gedanken machen? Es gibt schließlich überall extra Bälle für Hunde zu kaufen und den Hunden macht es Spaß. Der Hund will ja auch ausgelastet sein…also ist Ballspielen eine super Sache!…oder nicht?

Wenn wir mit unserem Hund Gassi gehen, sehen wir es als entspannten Spaziergang. Wir freuen uns über die frische Luft und das gute Wetter und die schöne Landschaft. Aus der Sicht des Hundes ist jeder „Gassigang“ auch irgendwo ein Revier- und Jagdausflug. Hunde stammen nicht von den Kuscheltieren ab, wie man von einigen Rassen annehmen könnte, sondern vom „Canis Lupus“, einen Fleischfressenden Beutegreifer. Die Veranlagung zu hetzen und zu jagen steckt also in der Genetik von jedem unserer Lieblinge.

Somit verwundert es nicht, das Ballspielen den meisten Hunden Spaß bereitet, denn sie können einen sich schnell hin fortbewegendem Objekt hinterherjagen. Im Gehirn des Jägers werden Hormone ausgeschüttet, die manche Hunde in einen regelrechten Rauschzustand versetzen. Wenn Hund also übermäßig mit dem Ball spielt, wird dieses Potenzial weiter ausgebaut und der Hund wird vermehrt nach diesem Suchtstoff verlangen. Ist der Hund erst einmal zum Balljunkie geworden, kann dies nicht nur für seine Gelenke unangenehme Folgen haben. Er wird sich nur noch für den Ball interessieren und nicht für dich, denn ihm ist es egal, wer den Ball wirft! Sollte er keinen Ball bekommen, kann dies dazu führen das er vermehrt versucht, seine Sucht anders zu befriedigen. Vielleicht wird er Schatten hinterherhetzen, Jogger verfolgen oder – „auch sehr angenehm“ – Kleinkinder auf dem Laufrad bellend verfolgen.

Wann und wie ist also das Ballspielen Sinnvoll? Zunächst sollte man sich Fragen, ob es überhaupt ein Spiel mit dem Ball sein muss. Der Hund verlangt nicht nur körperliche, sondern auch geistige Beschäftigung. Warum kann z.B. kein anregendes Dummyspiel als alternative dienen? Hier erfolgt die Belohnung durch den Menschen und somit kommt der Hund nur ans Ziel, wenn er mit dir kooperiert. Andere schöne Beschäftigungen sind Such- und Schnüffelspiele, Denksportaufgaben oder Agility . Man kann den Ball durchaus auch mal als Belohnung einsetzen als Abwechslung zum Leckerchen, aber nur, wenn der Hund noch kein Balljunkie ist.

Außerdem lässt sich mit dem Ball die Impulskontrolle üben. Bei der Übung sitzt der Hund zwischen den Beinen des Menschen, der die Arme wie eine Schranke vor dem Hund hält. Dann wirft der Mensch den Ball. Der Hund versucht natürlich, zum Ball zu kommen und sich an den Armen vorbei zu drängeln, was du mit den Armen verhinderst. Erst wenn der Hund sich beruhigt, öffnest du die Arme und der Hund darf zum Ball. Der Hund lernt in der Übung. das er mit Ruhe zum Erfolg kommt und im idealem Fall auf deinen Befehl warten soll.

Bild 2+3: © Joliam Fotografie, situFacebook